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Was ist Homöopathie?

Manchmal ist ein Begriff am einfachsten zu definieren, wenn man zunächst versucht, sein genaues Gegenteil zu finden.

Ein Beispiel: Sie haben sicherlich einen Herd, bzw. eine Kochgelegenheit bei sich zu Hause.  Und sicher ist es Ihnen auch  schon  mal passiert, daß Sie ohne Topflappen oder Handschuhe aus Versehen einen heißen Topf oder ein heißes Blech berührt haben.
Was haben Sie danach gemacht, nachdem Sie sich verbrannt hatten - von dem unvermeidlichen Fluch einmal abgesehen?

Wahrscheinlich sind Sie erst einmal zum Wasserhahn gelaufen, und haben über die schmerzende Stelle sehr kaltes Wasser laufen lassen. Vielleicht haben Sie auch Ice-Packs verwendet,  oder Eiswürfel in eine Tüte gepackt und auf die schmerzende Stelle draufgelegt. Das Prinzip ist das Gleiche:
Sie haben sich verbrannt, die Stelle brennt, ist also sehr heiß, und Sie behandeln das Ganze mit Kälte (also mit dem Gegensatz).
DAS  - diese Art der Behandlung - ist das Gegenteil von Homöopathie.

Homöopathisch würden Sie hier z. B. Cantharis verwenden, ein Arzneimittel, das in der Ursubstanz ebenfalls brennende Schmerzen verursacht, mit Hautveränderungen, bei denen auch Blasen entstehen. Oder Causticum, oder Arsenicum album. Homöopathie behandelt den Menschen, oder das Tier, nämlich nach dem Prinzip der Ähnlichkeit. Wohlgemerkt: nicht nach dem Prinzip der Gleichheit (der Isopathie).

1. Grundlagen der Homöopathie

Hahnemann

Begründer der Homöopathie ist der Arzt Dr. Samuel Hahnemann , geb.1755 in Meißen, gest. 1843 in Paris. Sein 1796 verfaßter Artikel:"Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen, nebst einigen Blicken auf die bisherigen" warf sämtliche damals in der Medizin angewandten Verfahren buchstäblich über den Haufen. Denn während die sogenannte 'Alte Schule' vor allem Verfahren verwendete, die den Körper des Kranken von schädlichen Säften befreien sollte (mit Hilfe von Blutegeln, Aderlass, Brechmitteln, Haarseilen und dergl.), brachte Hahnemann den Nachweis, daß spezifische Arzneien in der Lage waren, dauerhafte Heilungen bei Kranken zu bewirken, wenn sie nach dem Ähnlichkeitsprinzip ausgesucht worden waren. Dieses Prinzip der Ähnlichkeit - das Simileprinzip - sollte einer der Hauptleitsätze der Homöopathie werden.

Similia similibus curantur - Ähnliches wird mit Ähnlichem behandelt
(Latein: curare: behandeln; sanare: heilen)

Für fast alle bedeutenden Erfindungen gibt es in der Geschichte einen Auslöser, ein kleines Geschehnis, das aber große Wirkungen zeigte. Bei Hahnemann war der Auslöser wahrscheinlich die Übersetzung eines englischen Textes ins Deutsche, der die Bedeutung der Chinarinde bei der Behandlung von Wechselfiebern behandelte. Dies veranlaßte Hahnemann seinen ersten Selbstversuch mit Chinarinde durchzuführen.

Er stellte fest, daß durch die Einnahme von Chinarinde bei ihm, dem Gesunden, Symptome entstanden, die denen eines Wechselfieberkranken (z.B. Malariakranken) aufs Genaueste entsprachen. Die Schlußfolgerung war, daß eine Arznei heilend wirkend konnte, wenn die Symptome der Krankheit denen ähnelten, die durch die Arznei selbst hervorgebracht wurden.
Weitere Versuche folgten, mit der Tollkirsche (Belladonna), Quecksilber, Digitalis und weiteren Substanzen.

Arzneimittel
In der Homöopathie finden die verschiedensten Substanzen als Heilmittel Verwendung: Pflanzen, mineralische Stoffe, chemische Elemente, Tiere und tierische Bestandteile, sogar Krankheitsprodukte, Bakterienkulturen usw. Grundsätzlich kann jeder Stoff in der Homöopathie angewendet werden, wenn seine Wirkungen - seine Symptome - durch eine Arzneimittelprüfung belegt sind.

Arzneimittelprüfungen
Grundlage für die Erstellung einer Arzneimittellehre ( Materia Medica) sind die Arzneimittelprüfungen. Dabei werden die Effekte einer eingenommenen Arznei am gesunden Menschen beobachtet und aufgezeichnet. Jeder Prüfer ist angehalten, sämtliche auffälligen Symptome aufzuschreiben. Die Zeit der Beobachtung dauert  - je nach Organisator - von 2 Wochen bis zu 1 Jahr. Auch heute werden immer noch Arzneimittelprüfungen durchgeführt, deren Ausarbeitung sehr zeitintensiv ist. Daher dauert es nach der Durchführung der Prüfung meist 1-2 Jahre, bis die gesammelten Ergebnisse der einzelnen Prüfer in gedruckter Form erscheinen können.

Potenzen

C-Potenzen (Centesimal-Potenzen):
1 Tropfen der Urtinktur wird in ein Fläschchen gegeben, 99 Tr. Alkohol zugefügt. Dann wird das Fläschen 10 mal gegen eine feste, federnde Grundlage geschlagen (z.B. ein Buch, das in Leder gebunden ist).
Damit ist als erste Potenzierungsstufe die C1 entstanden, in der das Verhältnis Ursubstanz zu Alkohol 1:100 beträgt.
Von diesem Fläschchen wird wiederum 1 Tr. in ein neues Fläschchen gegeben, 99 Tr. Alkohol hinzugefügt, 10 mal geschüttelt, wodurch die C2 entsteht, mit Verhältnis Ursubstanz zu Alkohol 1:100², d.h. 1:10 000, usw.
Gängige C-Potenzen sind: C6, C12, C30, C200.
Um das Verdünnungsverhältnis noch einmal zu verdeutlichen:
In einer C6 - einer niedrigen Potenz - verhalten sich Ursubstanz zu Lösungsmittel (Alkohol) wie:

1 ml : 10 Millionen Hektoliter!

Bei den höheren C-Potenzen wird die Skala wird weitergeführt mit M (Millesimal), die einer C1000 entspricht. Dh. eine XM entspricht einer C10000, eine CM einer C100000 usw.

Q- bzw. LM-Potenzen:
Die einzelnen Verdünnungsschritte unterscheiden sich jeweils durch den Schritt 1:50000.
In der letzten Ausgabe des Organons beschreibt Hahnemann die genaue Vorgehensweise: Zunächst wird eine C3 durch aufeinanderfolgende Verreibungen (Trituration) hergestellt.
Dieser Vorgang benötigt übrigens volle 3 Stunden!
 Davon wird 1 Gran (60 mg) in 500 Tr. Lösungsmittel (Wasser + Branntwein) aufgelöst. 1 Tropfen dieser  Auflösung wird in ein Fläschen gegeben, 100 Tr. Weingeist dazugegeben, 100 Schüttelschläge ausgeführt (wiederum gegen ein Buch mit Ledereinband). Dadurch erhält man die Q1.
Aus diesem Fläschchen wieder einen Tropfen in ein neues Fläschen, 100 Tr. zufügen, 100  Schüttelschläge, ergibt die Q2, usw.
Gängige Q- und LM-Potenzen sind LM1-6, LM12, LM18.

D-Potenzen :
Die D-Potenzen werden im Verhältnis 1:10 mit jeweils 10 Schüttelschlägen potenziert.
Gängige D-Potenzen sind D3, D4, D6, D12, D30.

Verabreichung
Homöopathische Arzneimittel werden klassischerweise in Form von Globuli (Kügelchen) oder als Dilution (Tropfen) gegeben. In der Tiermedizin werden außerdem häufig Tabletten oder Injektionen verwendet.
C-Potenzen sollten stets in Einzelgaben gegeben werden. Grundsätzlich gilt, sowohl bei akuten wie auch bei chronischen Krankheiten:
Eine Gabe geben

  • abwarten
  • bei Besserung der Symptome nichts geben
  • wenn dieselben Symptome wieder auftreten, erneut eine Gabe in modifizierter Form.

Die sanfteste Form der Verabreichung ist die sogenannte Medizinal-Auflösung, d.h. 1 Kügelchen sollte in einer Menge von ca. 80 - 100 ml Wasser aufgelöst werden. Davon erhält der Patient eine Gabe. Diese Gabe kann auch öfter, nach Bedarf, wiederholt werden, wenn vorher stark umgerührt bzw. geschüttelt wurde.
Eine trockene Gabe einer C30 kann bei chronischen Krankheiten eine Wirkungsdauer von ca. 7 Wochen haben, doch sind das nur Anhaltspunkte. Je nach Arzneimittel und Patient kann diese Zeit stark variieren. So sind auch Fälle bekannt, wo eine einzige Gabe einer C30 eine Wirkungsdauer von 1 Jahr hatte.
In akuten Krankheiten können homöopathische Arzneimittel sehr viel öfter gegeben werden.

Organon
Das 'Organon der rationellen Heilkunde' ist die eigentliche Grundlage für die homöopathische Behandlung. Die insgesamt 291 Paragraphen der 6. Ausgabe, 1842 geschrieben, aber erst 1921 veröffentlicht, geben genaue Anweisungen für das Vorgehen bei akuten und chronischen Krankheiten.
4 Eckpfeiler bestimmen das Gerüst der Homöopathie:

  • das Simileprinzip (Prinzip der Ähnlichkeit)
  • die Arzneimittelprüfung am gesunden Menschen
  • die Potenzierung der Arzneimittel
  • die Gabe nur eines einzelnen Mittels

Die Werkzeuge
Was braucht ein Homöopath, um das richtige homöopathische Mittel zu verordnen?

  • eine gute Beobachtungsgabe, um die charakteristischen Symptome des Kranken zu erkennen
  • die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen
  • die Kenntnis um die richtige Wahl der einzelnen Gabe
  • eine gute Kenntnis der einzelnen Arzneimittel , die er sich aus veröffentlichten Arzneimittelprüfungen (AMP), verschiedenen Arzneimittellehren und Repertorien aneignen muß.
    Dieser Prozeß dauert Jahre und hört eigentlich nie auf - daher bleibt die Homöopathie auch immer spannend.

Materia Medica (Arzneimittellehre)
In einer Materia Medica sind die einzelnen Arzneimittel aufgeführt mit all den Symptomen, die in einer Arzneimittelprüfung in einem gesunden Menschen produziert wurden  bzw. während der Behandlung eines Kranken geheilt wurden. Evt. finden sich Erfahrungsberichte von Vergiftungen, die das Arzneimittelbild abrunden. Diese Symptome sind meist nach einem bestimmten Schema aufgelistet, z.B. nach dem Kent'schen Kopf-zu Fuß-Schema, d.h. zuerst werden die Gemütssymptome beschrieben, dann Symptome des Kopfes, der Brust, des Bauches usw.
Inzwischen gibt es auch eine veterinärmedizinische Materia Medica, die auch auf die Symptome bei Tieren genauer eingeht.

Repertorium
Um einzelne Symptome aufzufinden, arbeitet man mit einem Repertorium.
Ein Repertorium ist eine Sammlung von Symptomen, die nach einem bestimmten Schema geordnet sind (sehr häufig nach dem Kent'schen Kopf-zu Fuß-Schema). Bei jedem Symptom stehen die Arzneimittel, die dieses Symptom hervorgebracht bzw. geheilt haben.
Erleichtert wird die Suche nach Symptomen durch neuere homöopathische Software (z.B. MacRep, RADAR, CARA Pro). Ein Computerprogramm kann bei der Repertorisation sehr hilfreich sein - allerdings ersetzt es nicht das homöopathische Wissen. Es hängt stets von den Rubriken ab, die man eingibt - d.h welche Symptome man zur Repertorisation heranziehen möchte. Je nach den ausgewählten Symptomen werden verschiedene Mittel unterschiedlich stark bewertet werden.

 Homöopathische Begriffserläuterungen

Dilution

Verdünnung

Dynamis

der Begriff der Lebenskraft

Konstitution

angeborene oder erworbene Verfassung eines Individuums

Miasma

Ererbte oder erworbene Prädisposition, die einer chronischen Krankheiten zugrunde liegen und sie beeinflussen könnte. Klassische ererbte Miasmen sind Psora, Sykosis, Syphilis, später wurde auch die Pseudo-Psora (tuberkulinisches Miasma) dazugefügt.

Nosoden

Arzneien, die aus krankhaften Geweben, krankhaften Absonderungen, Bakterien- oder Viruskulturen hergestellt wurden (z.B. Anthracinum - aus der Milz eines an Milzbrand gestorbenen Schafes hergestellt, Lyssinum - aus dem Speichel eines tollwütigen Hundes hergestellt, usw.)

Sarcoden

Arzneimittel, die aus gesunden menschlichen oder tierischen Geweben oder Organen hergestellt wurden (z.B. Thyroidinum, Urinum humanum, Lac caninum usw.)

Trituration

homöopathische Verreibung

Copyright Gaby Rottler, 2014

Last update:  July,  2014